«9^ H. Ideen zur Geschichte und Kritik
des Ganges der Rede, zwanglos. Hier mahlet dieMusik, und die Worte dienen. Gesetzt daß es ihrauch gefiele, sie zehnmal dienen zu lassen, sie umherzu kreisen und wie im Spott zu wiederholen, sietanzt ihren Tanz, und unter ihrer Herrschaft dursteder Dichter nichts als das ihr Wohlgefällige wäh-len. Keiner Leidenschaft durfte er tiefer nachgehn,als cs die Musik ertrug, und mußte sich daher über-all an das Weichste, das Zarteste, die Liebe halten.Mir Verletzung jedes Costume der Zeiten und Orte
Mctastafio's Helden Schäfer, seine Prinzessin-nen Schäferinnen; erhabne Fresco - Gestalten derGeschichte werden durch ihn Miniaturgemählde deSlyrischen Theaters: denn auf diese und auf keine an-dre Darstellung hat er gerechnet. Wenn also Me-ta stasio in jedem seiner Stücke einen zierlichenPorcellanthurm mit klingenden Silberglöckchen er-bauen wollte: so sollte und konnte dieser kein griechi-sches Odeum werden.
Indessen hat auch diese Poesie ihre Zwecke erreicht.Sie ward, 'was sie sey» wollte, ein Vergnügen fei-nerer Seelen, die auf die angenehmste Weife in sü-ßen Tönen sich schöne Gesinnungen einflößen lassenund sich singend belehren. Wer sich durch eine über-mäßige Liebe dieses Dichters und dieser Kunst denGeschmack verwohnt, und ihn zum Unmännlichen er-weichet, der hat daran selbst die Schuld; gewiß aberwird durch Mctastafio's Gesänge NiemandesHerz verderbt, vielmehr kann seine moralische Em-pfindung, wenn er sic aufweckey lassen will, erwecktund zart geläutert werden. Kurz in allen Italieni-schen Dichtern ist Conversation und Gesang