der Poesie und bildenden Künste S97
Gesinnung und Empfindung auf die zierlichste Weisehervor und wußte sie zu einem musikalischenSentiment im zartesten und vollesten Ausdruck zubilden. Jede Arie des Metastasio ist gleichsam einpoetisch-musikalischer Canon worden.
Um hieher zu gelangen, welchen langen Weghatte das Melodrama zurückgelcgt, seit es in rauhenProvenzalischen Canzoncn nach Italien gckonnnen undvon umhcrziehendcn Minstrels mit einer Art thea-tralischen Vorstellung verbunden hie und da gespieltwar! Durch Maitanze, MaZZiolste) Carne-valesken, Chore mit Zwischenspielen u. f. hattecs einen beschwerlichen Weg nehmen müssen, bis esunter der Bcihülfe vieler fremden Künstler, Franzo-sen, Spanier, Niederländer, Deutscher, nur zu eini-ger Regelmäßigkeit gelangte. Italienische Fürsten,die Pracht und Vergnügen liebten, hatten ihm dazuRaum und Kosten verschafft; der Geschmack der Na-tion in beiden Geschlechtern hatte es mit Freude em-pfangen; Florenz insonderheit hatte ihm zuerst seineglanzende Gestalt gegeben. Unwissend hatten, vonDante und Petrarca an, alle Dichter dazu ge-arbeitet: Tasso und G uar ini mit ihren Schä-ferpoesien hatten dazu naher den Ton gegeben; hun-dert Componisten geistlicher und weltlicher Melodiendie Pforten geöffnet; Metastasio kam, und setzteder ganzen Gattung den Kranz auf.
Indessen auch bei Metastasio denke mannicht an die Griechen ; vielmehr hat vielleicht Er aufsweiteste von ihnen verführet, und steht wie unfeinemandern Hemisphar da. Bei jenen sprach die Poesie;die Musik begleitete ihre Worte in jeder Wendung