296 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
der Italiener, die Zeit, in welcher diese Dichterlebten, die einmal getroffene Arabisch - ProvenzalischeConvention, über die Liebe in Reimen zuconversiren, auch viele kleine Umstande der da-maligen Lebensweise, zusammen: so werden uns
diese musikalischen Liebes-Convcrsatio-nen nicht nur erklärlich, sondern beinahe natürlicherscheinen. Das ganze lyrische Drama derItaliener beruhet auf dieser Conversation; Nationen,denen sie fremde ist, wird die ernsthafte sowohl alsdie komische Oper der Italiener, dem eigentlichenMotiv nach, immer fremde bleiben.
So kommen wir dann auf das poetische Meister-werk dieser Nation, die Oper, das lyrischeDrama. Wohl nirgend anders als in Italienkonnte cs entsprießen und zugleich zu der Blüthe ge-langen, zu welcher es zuletzt in Metasta sio ge-langt ist. Er, ein Schüler des philosophischen Ken-ners der Alten, des Gravina, Er, dem das Glückward, hinter den Verdiensten des Apostolo Zenound so viel andrer großen Männer in Italien undFrankreich dies Drama in einer Sprache zu bearbei-ten, die zum Gesänge geschaffen ist, brauchte seinesGlücks und erhob aus ihr alles Singbare,(cantabile) in jeder Act des Affekts, in jedemPerioden des Recitativs, der Arien und Chöre, zurWlumc des Gesanges und Vortrags. Zeige man einsingbares Wort, das er nicht und zwar aus der be-sten Stelle gebraucht, eine unsingbarc Wendung, dieer nicht gemildert oder vermieden hatte! Auch ausder menschlichen Seele, aus Fabel und Geschichtezog er jeden singbaren Gegenstand, jede melodische