der Poesie und bildenden Künste. 29S
Ob diesen Zweck jede dieser Poesien erreichthabe? darüber kann kein Ausländer entscheiden;indessen scheinets. In Italien sind die Sonnctteeigentlich nichts als feinere Anreden in einem gegeb-nen Ton der Gesellschaft; beinahe jeder gebildeteMensch macht ein Sonnet, ohne daß er deshalb einDichter zu seyn sich einbildet. Die Werke ihrergroßen Dichter sind jedem Gebildeten bekannt; ihreSprache ist ins Ohr der Nation übcrgegangen, undman Hort Stellen aus Dichtern oft von Personen,von denen man sie am wenigsten erwartet. Der ge-meine Mann, das Kind sogar gebraucht Ausdrücke,die man diesscit der Alpen in viel andern Kreisenweder sucht, noch höret.
Die ganze Dichtkunst Italiens hat etwas sichAnneigcndes, Freundliches und Holdes,dem die vielen weiblichen Reime angenehm zu Hülfekommen, und es der Seele sanft cinschmeichclir.Dagegen freilich steht die Poesie der Alten für sichselbst da, in schweigender Würde, in natürlicherSchönheit. Sie spricht und laßt sich sprechen; dieItalienische Poesie buhlet zwar nicht, aber sie decla-mirt angenehm vor; sie c 0 nversiret.
Ungerecht wäre es also, wenn man selbst beider eigentlichen Empsindungspoesie dieser Sprache,z. B. den Sch ä ferge d i ch tcn, einen Maasstabgebrauchen wollte, der ihr nicht geziemet, Wie vielUnzeitiges z. B. ist über den Aminta des Tasss,über den ksstor jicio des Guarini und überähnliche Gedichte gesagt worden! — Unsre Schäferfreilich, unsre Liebhaber raisonniren so nicht von Liebe,oder mit der Liebe; nimmt man indessen das Locclk