der Poesie und bildenden Künste. 2g3
Nun müßte eS wohl ein sehr barbarisches Ohrseyn, das nicht, zumal unter jenem Himmel, dieMusik dieser Bersarten fühlte. Der wcitvcrhallcndeWohlklang einer regelmäßigen Italienischen oderSpanischen Stanze, die schon verschlungene Harmo-nie eines vollkommenen Sonnets, Madrigals,oder einer vortrefflichen Canzone, die abwechselndeleichte Melodie einer schönen Canzo nette, ko-ckonäillu oder LeAuiäilla tönt so anmulhig, derTanz ihrer Sylben ist so ätherisch, daß ihn unsredeutsche Sprache, die ein ganz andrer Genius bele-bet, vielleicht auch nicht nachahmen sollte. DiePoesien so vieler lyrischen und epischen Dichter inItalien und Spanien sind gleichsam so viel hesperi-sche Zaubergärten, wo die Bäume singen und anjedem Zweige des singenden Baums ein Glöckchentönet. Die Poesie der Alten singt nicht also; aberdas Rauschen des Baumes selbst, das Wehen seinerZweige im zartesten Sprößling ist begeisternd, istheilig.
So im Aeußcrn; ists aber auch anders, wennman die Poesie der Italiener mit den Alten imInnern vergleichet? Nehmet z. B. ein Sonnet,ein Madrigal, eine Canzone, eine Stanze, und füh-ret sie auf Formen der Griechen und Römer zurück.Hier, findet man oft, mußte der Ausdruck des Ge-dankens gedehnt, dort die Empfindung gelängt undgeweitert werden. Einschiebsel und fremde Zusätzemußten zu Hülfe kommen, um ein regelmäßigesSonnet, ein klingendes Madrigal zu werden; als einEpigramm, als ein Bild (51^0?) und Skolionder Alten würde Alles in natürlichem Maas einfa-cher und reiner dastehn. — Eine Canzone oder Ode