182 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
fiä) auf, sobald dir Seele Kraft hat, diese in jedemThcilc, in jeder Stellung ganz zu behaupten! Un-vergeßlich und cwjg lehrreich sind mir die Stunden,da ich vor den Kunstgebillnn der alten, (wenn mirder Ausdruck erlaubt ist,) die Mechanik undStatik menschlicher Scelcnkrafte immenschlichen Gliederbau ruhig betrachteteund abwog. Welche Freuden schöpfte ich in Erwä-gung der Symm etri e und Eurythmie, nochmehr aber der schonen Gegen s tel l ung, die inRuhe und Bewegung, nach verschiedener Art der Cha-raktere, diesen göttlichen Körpern mitgcthcilt ist, alsodaß sich die Seele liebreich - strenge bis im Wurfedes Gewandes und in seinen Falten, wie ein we-hender Geist offenbaret. Ihr habt unsre Natur ge-kannt und geadelt, ihr Griechen; ihr wußtet, wasdas menschliche Leben in seinen vorübergehenden Sce-nen sey, das ihr auf so manchen Sarkophagen ebenso richtig und wahr, als einfaltig und rührend vor-gestcllt habt. Da erfaßtet ihr die Blüthe jederflüchtigen Scene und heiligtet sie in einem nie ver-welkenden Kranze der Mutter des Menschengeschlechtes.Wenn unsre Art je so entartet werden sollte, daßwir diese innere Kraft und Anmuth derMenschheit, das hohe Siegel unsrer Existenzgar nicht mehr erkennten; dann zerbrich, o Natur,die Form deines ausgeartetcn edelsten Geschöpfes,oder vielmehr sic zerbräche yon selbst und zerfiele inStaub und Scherben,
Und wodurch kamen die Griechen zu diesemAllem? Nur durch Ein Mittel; durch Me li-sch enge fühl, durch Einfalt der Gedanken und