der Poesie und bildenden Künste. 169
darstellend beschäftigt, für die Menschheit von keinemWerthe seyn?
Von einem sehr hohen Werthe. Sic hat nichtnur Gedanken, sondern Gedankenformen,ewige Charaktere sichtbar gemacht, die mitsolcher Energie weder Sprache noch Musik, noch ir-gend eine andre Bemühung der Menschen ausdrückenkonnte. Diese Formen ordnete, reinigte sie, undstellte sie selbst in deutlichen, ewigen Begriffen demAuge jedes Sehenden für alle Zeiten dar, in welche»sich Menschheit in diesen Formen genießt und fühlet,in welchen Menschheit nach diesen Forme» wirket.Sie giebt uns also nicht nur eine sichtbare Logikund Metaphysik unsers Geschlechts in seinen vor-nehmsten Gestalten, nach Altern, Sinnesarten,Neigungen und Trieben; sondern indem sie dieseMit Sinn und Wahl darstellt, ruft sie als einezweite Schöpferin uns schweigend zu: ,,blicke in die-sen Spiegel, o Mensch; das soll und kann deinGeschlecht seyn. So har sich die Natur in ihmmit Würde und Einfalt, mit Sinn und Liebe ge-offenbaret. Also erscheint das Göttliche in deinemGebilde; anders kann cS nicht erscheinen. "
Auf diesem Wege gingen die Griechen; zu die-ser Idee arbeiteten sie hin. Ohne ihre Kunst wür-den wir manche Gedanken ihrer Dichter und Weisennicht verstehen; als öde Worte schwebten sie voruns vorüber. Nun hat sie die Kunst sichtbargemacht, und damit auch den ganzen Geist derComposüion ihrer Schriften, den Zweck ihrer Sittcn-sormung und was sie sonst unterscheidet, in anschau-lichen Bildern dem menschlichen Verstände vorgestellt»