Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 7 (1821) Abhandlungen und Briefe
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

der Poesie und bildenden Künste. 167

zu verargen seyn wird, wenn er in seine Liebe G e-müth bringet, und sie nicht blos alt, ein Werk desBedürfnisses und der Eonvenienz betreibet: so seheich auch Pelrarea's Laura als ein Ideal an, daskeinen Jüngling verführen, das jedem edelgeschaffe-nen Jünglinge als ein Madonnen - Bild alter Zeitenin einer so schönen Sprache wohlthun wird. DieEmpfindungen Pctrarca's, in Ansehung der Freund-schaft gegen Freunde, waren diesem Ideal nicht ent-gegen, und Italien, Rom, seine Sprache, dieMenschheit, waren seines Gemüths ewige Laura.Als ich in einer schönen Morgenstunde den letztenAufenthalt seines irdischen Daseyns vorüberfuhr,umfing mich eine so süße Erinnerung seines freund-schaftlichen Herzens und ganzen Lebens, daß ichnichts anderes, als die letzten Worte seines letztenBriefes ausrufcn konnte: Valets amiai, valsts

epigtolas! Er starb im Jahr 1374; man weißmehr recht, wie und wann? genug, daß man denruhigen Greis, an seinem Pulte sitzend, todt fandValets Linier!

16.

Auch die griechische Kunst ist eineSchule der Humanität; unglücklich ist, wersie anders betrachtet.

Als die Natur, die sich in allen ihren Herver-bringungen einwohnend und lebendig offenbaret, aufunsrer Erde zur höchsten Höhe ihrer Wirkung stieg,