der Poesie und bildenden Künste. i65
man ihre freundschaftlichen Briefe und hört Petrar-ca's Zeugnisse von ihnen; bis man durch Zeugnissevon andern, die nicht so dachten, eben auch in den-selben Briefen unangenehm aus dem Traume ge-weckt wird.
Endlich ist das Ideal von Liebe, dasPetrarca mit sich trug und in seinen Gedichten mitunglaublicher Kunst und Sorgfalt ausbildete, ge-wiß die kleinfügige Idee nicht, die man gewöhnlichsich an ihm denket. Laura möge in Person oderzum leibhaften Petrarca gewesen seyn, wer sie wolle;dem geistigen Petrarca war sie eine Idee, an die erauf Erden und im Himmel, wie an das Bild einerMadonna, allen Reichthum seiner Pbantasie,seines Herzens, seiner Erfahrungen, endlich auchalle Schönbeiten der Provenzalen vor ihm, derge-stalt verwandte, daß cr sie in seiner Sprachezum höchsten, ewigen Bilde aller sittlichenW ei b e s sc h ö n h ei t zu machen strebte. Auf grie-chische Weise konnte dies nicht geschehen; eine nackteGrazie oder eine Venus Urania konnte und wollteer nicht mahlen; cr wählte also die Züge, die inseinem Zeikgeiste, in der provenzalischen Poesie, inden Begriffen seiner Religion und ihren Darstellun-gen als Stoff eines reinen weiblichen Idealssittlicher Humanität zerstreuet dalagen, undbildete seine Madonna daraus, die irdischeund himmlische Laura. Diese zeigte er in Wirkungauf sich, auf sein eigen Herz, und zwar in man-cherley Umständen, in Wirkung auf seine Schwach-heiten sowohl, als auf die edlere Seite seines Ge-mülhs; hierdurch allein ward sie anziehend und be-