der Poesie und bildenden Künste. r53
Was haben die Alten in ihren 6aorAicis ge-sucht, als unter mancherlei Einkleidungen den Men-schen menschlich zu machen und ihn allmablig zuBeobachtung der Natur, zur Ordnung, zum Flcißeund Wohlscyn zu erheben ? Auch dem Virgil inseinen 6eorgicis können wir diesen,wenigstens mit-telbaren, Zweck nicht absprcchen. Er, der außer demKriegsglücke der Römer gewiß noch ein ander Glückder Landbesitzer und Landbewohner kannte, wolltedurch sein schönes, in vielen Stellen so menschlichesGedicht eben auch dies befördern.
Die äsopische Fabel führet uns ganz aufs Land.Hier sprechen Baume, Thiere, Menschen; Natur-wahrheit ists, was sie sagen. Und wenn Lessingdie Thiere wegen ihrer Charakter - Bestandheit alseigentliche Fabclactoren gerechtfertigt hat; wem blie-be mehr Bestandheit, als dem Baume, der Pflanze,der Blume, der ganzen Naturordnung in ihrem un-ermeßlich-langsamen Fortschritte? Hier also ist,recht gebraucht, Weisheit und Klugheit der Naturzu lernen; hier oder nirgends. Immer werden unsdie schönen Pflanzen- und Baumfabcln, insosidcr-hcit des Orients, reizen, wo sie in ihrer stummenSprache uns ewige süße Naturwahrhcit sagen.
Die Mythologie ist eine belebte Welt. Nurmit Entzücken kann ich daran denken, wie viel Geist,Sinn und Gemüth man in flüchtige Erscheinungen,in wandelbare Gestalten der Natur gelegt hat, allenMenschen zur Ansicht, und dem menschlichem Men-schen zur Bildung und Lehre. Wer irgend eine schö-ne Dichtung der alten Mythologie und Naturlehreuns neu ins Gemüth zu rufen weiß, hat eine Blume