126 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
und ich werde nimmer ruhig seyn, bis alle chrlicheLeute hierüber meiner Meynung sind. Die Sacheist so klar, daß sie keinen Widerspruch leidet; ja,ich will Hundert gegen Eins setzen, daß Sie undich in dem Punkte übereinstimmen. "
Diese Uebercinstimmung war ein freundschaftli-cher Wahn, oder ein Eomplimcnt, das der von seinerMeynunq durchdrungene Swift sich selbst machte.Pope schien ihm Recht zu geben, äußerte aber zu-gleich, daß er Maximen schreiben wollte, die Ro-the fouca ult s Grundsätzen insgesammt entgegen-gesetzt waren; wogegen Swift in noch härterenAusdrücken den R o c he fo uca ul t, als seinen Lieb-ling, in welchem er seinen ganzen Charakter gefun»den, heftig in Schutz nimmt.
Bei Swift nemlich war diese Menschenfcind-schaft nicht witzige Laune, sondern ein bittrer Ernst,wie seine Schriften, wie sein Leben es zeiget. Erhatte einen so tiefen Groll gegen die menschliche Ge-sellschaft gefaßt, daß selbst seine Menschenfreund-schaft, seine strenge Sorge für die von der Naturund dem Staate verwahrloseten Unglücklichen sich indies rauhe Gewand kleidete; er schien ein Zuchtmei-ster , auch wenn er ein wohlwollender Freund war.
Es hieße, Worte verschwenden, wenn man überdas von Swift aufgestellte Paradoxon in der Formdifpuciren wollte; jedermann stehet, was in ihmwahr oder übertrieben sey.
Eine andre, oft aufgeworfene Frage: ob esbesser sey, von den Menschen zu gut oder zu schlimmzu denken? d. i. den Menschen zu schmeicheln, oder