der -Poesie und bildenden Künste. 12)
hier Hot er bei Unglücksfällen Mitlcidcn, die er selbstveranlaßt hätte; hier ergrimmt er gegen Personenvon seinem eigenen Charakter. Aber der Eindruckist geschehen, und er bleibt, auch wider unfernWitten; der Böse gehet also aus dem Schauplatze,weit weniger geneigt, Übels zu thun, als wenn ihmein ernster und strenger Redner eine Strafpredigtgehalten hatte.
„Der Dichter , der Romanschreiber, der Schau-spieler dringen verstohlner Weise ans Herz, und tref-fen cs um so gewisser und stärker, je weniger es denStreich vermuthet, je mehr Blöße cs folglich giebt.Die Unglücksfätte, durch die man mich rührt, sinderdichtet: was thut das? Sie rühren mich doch.-Jede Zeile in dem Ehrlichen Manne, der sichder Welt entzogen, im Dechant von Kil-lerine, im Cleveland, erregt in mir ein zärtli-ches Theilnehmen an den Unglücksfällcn der Tugend,und kostet mich Thronen. — Könnte cs eine unse-ligere Kunst geben, als die, die mich zum Mitschul-digen des Lasterhaften machte? Aber wo ist auch eineschätzbarere Kunst, als die, die mich unvermerkt fürdas Schicksal des- rechtschaffenen Mannes einnimmt,die mich aus der ruhigen und süßen Fassung, in derich mich befand, reißet, um mich mit ihm umher-zutreiben, mich in die Höhlen zu versetzen, in dieer flüchten muß, mich zum Milgenossen der Unfällezu machen, durch die es dem Dichter beliebt, seineBeständigkeit auf die Probe zu stellen? "
„Wie sehr ersprießlich würde es für die Men-schen sepn, wenn sich alle Künste der Nachahmungeinen gemeinschaftlichen Gegenstand wählten, und sich