der Poesie und bildenden Künste. 119
wie lange wird Marinelli entfernt seyn? d. i. wiebald wird er, wenn sein Dienst abermals brauch-bar ist,, wicdcrkchren u. f. ?
Es ist vielleicht das höchste Verdienst der Poesie,insonderheit des Drama, Stande und Charakterealler Art, (wenn mir das niedrige Gleichniß erlaubtist), an dem feinsten Spieße, aufs langsamste amFeuer eigner Thorhciten, Neigungen und Leidenschaf-ten umzuwendcn. In der Seele des Zuschauers wer-den diese Stande und Charaktere dadurch gahr,oder, mit einem edleren Ausdruck, gerundet-Man stehet, was an der Figur Ernst oder Scherz,.Wort oder That ist; man blickt auf den Grund hin-unter, und greift das Beständige oder Unstatthafteihres Charakters, ihre Bersatilitat und innere Ehr-lichkeit gleichsam mit Händen.
Die alte Tragödie ging darauf hinaus, durchDarstellung unerwartet-schrecklicher Königsunsalle undKatastrophen die Urlheile der Menschen zu berichti-gen , ihre Grundsätze zu sichern, und das pooo zoiüund xooo Mono der Leidenschaften, der Furcht unddes Mitleids, dem Zuschauer auf ächter Waage vor-zuwägen. Die neuere Tragödie, wenn sie gleich ih-ren Bogen nicht so scharf spannen und ihre Keuleso rasch schwingen kann, als die alte, hat dennochmit ihr einerlei Endzweck. Sie spricht zum inner-sten Gefühl, zur treuesten Ehrlichkeit des Menschen;die Uebelthat kann sie auch jenseits der Gesetze ver-folgen, so wie das Lustspiel die Thorhcit auch jen-seits der Gesetze straft. Beide sind Sprecherinnenvor dem erhabensten Nichterstuhl unsers Geschlechts,vor der Humanität selbst, und ventiliren, be-