ii6 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
Was Diderot hier von Homers Einfalt sagt,mochte ich von seiner Humanität sagen. Man leseseine Beschreibungen des Todes der Erschlagenen,man lese Hektars Abschied von seinem Weibe undKinde, man bemerke jeden Zug, mit dem der Dich-ter des Achills erwähnet, insonderheit, wenn er ihnselbst redend einführet, auch was er hie und da überdas Glück und Unglück des menschlichenLebens, über Reichthum, Ehre, Adel derSeele und des Geschlechts, über Gerech-tigkeit, Tapferkeit, Geduld, Weisheit,Mäßigung, Sanftmuth, Gastfreund-schaft, Verschwiegenheit, Treue, Wahr-heit, über die Verehrung der Götter,die Ergebung in den Willen des Schick-sals, und die ihnen entgegengesetzten Thorheitenund Laster einstrcuct; welch eine Schule der Huma-nität ist in ihm!
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Lessings Emilia Galotti hat mich wiedereinmal ins Theater gelockt; wie zufrieden, ja ge-sättigt bin ich hinausgegangen! Ein Theaterstück mußgesehen, nicht gelesen werden: denn wenn es ist,was es seyn soll, so ist ja eben auf die Vorstellungalles berechnet. Ich kann mir nicht einbilden, daß,wenn Stücke dieser Act, (aber auch keine andre alssolche), wöchentlich nur Einmal, auf die leidlich-vollkommenste Weise gegeben würden, und dieseStücke lauter Stände und Situationen unsrer Welt,