der Poesie und bildenden Künste. n5
deinige wäre; jedes Lostet, jede Thorheit, jede Lei-denschaft selbst lehret und warnet.
Diderot über die Einfalt in Homer.
„Die Natur hat mir Geschmack an der Einfaltgegeben, und ich bemühe mich, diesen Geschmackdurch das Lesen der Alten vollkommner zu machen.
O mein Freund, wie schön ist die Einfalt!Wie übel haben wirgethan, uns davon zu entfernen!
Wollen Sie hören, was der Schmerz einemVater eingiebt, der jetzt seinen Sohn verloren hat?Hören Sie den Priamus. Wollen Sie wissen, wiesich ein Vacer ausdrückt, der dem Mörder seinesSohns fußfällig flehet? Hören Sie eben den Pria-mus zu den Füßen des Achilles.
Was ist in diesen Reden? Kein Witz, aber soviel Wahrheit, daß man fast glauben sollte, manwürde eben so wohl als Homer darauf gefallen seyn.Wir aber, die wir die Schwierigkeit und das Ver-dienst, so einfältig zu seyn, ein wenig kennen, mö-gen diese Stellen nur lesen, mögen sie mit Bedachtlesen, und hernach alle unsere Schreibereyen nehmenund ins Feuer werfen. Das Genie.laßt sich fühlen,aber nicht nachahmen." —
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