rro II. Ideen zur Geschichte und Kritik
Da sich Homers Jliade einem großen Thcilenach mit diesem Gemetzel beschäftigt: so wird dasMenschengcmüth des Dichters hier vorzüglich fühlbar.Seine Tobten laßt er nie als Thiere fallen; er be-zeichnet, so viel er kann, in einigen Versen alsMenschenfreund ihr trauriges Schicksal. Dieserwird nie mebr zu seinen geliebten Eltern, zu seinenBrüdern, seiner Gattin, seinen Kindern wicderkehrcn;jener hat Reichthum, Wohlstand, eine glücklicheRuhe verlassen, die er nie mehr genießen wird.Einen andern zeichnet er als Künstlet, alseinen geschickten, schönen, gottbegabten Mann; seineKunst ist dahin, seine Schönheit verwelket, der Göt-ter Gaben werden mit der Asche begraben. Jenenhat falsche Hoffnung, eine trüglichc Weissagung insFeld gelockt; der Tod ergreift ihn, schwarze Nachtumhüllet sein Auge. Und ferner. Mehrere dieserErinnerungen sind so zart, daß sie Inschriftenzu den Grabmalern der Erschlagenense»n könnten, wenn arme Kriegsccschlagenc Grabmalund Urne erhielten.
6. Merkwürdig ist hiebei, daß Homer dieseszärtliche Andenken am meisten den Trojanernschenket. Er ein Grieche, der den Ruhm griechischerHelden verewigen wollte, war zugleich ein Asiat,ein Ionier, ein Mensch, und ich möchte sagen, einBcdaurer des Trojanischen Schicksals. Weit entferntvon der barbarischen Kleinmurh, seine Feinde verun-glimpfend zu belügen, zeichnet er ihr zarteres Gc-müth, die größere Weichlichkeit ihres Klima, ihreFamilienneigunge» , ihre Künste, ihr Wohlbehagenzu Frjedenszeilen, in Zügen, an denen sich offenbar