rau
II. Ideen zur Geschichte und Kritik
und warnten vor jedem Uebcrmaaße, vor jeder zuhart angesessenen Neigung. Wie klar muß es inder Seele Homers gewesen scyn, da ec, seinganzes Gedicht hindurch, gleichsam die Waage Ju-piters in der Hand haltend, die Neigungen undCharaktere der Menschen gegen einander im Streikeund in Folgen abwog! Der Schild Achilles zeigtbei ihm- wie er sich die Welt dachte; unbefangensah er ihre mancherlei)- einander oft nahe entgegen-gesetzten Sccnen; froh.i.he und traurige, ruhige undstürmische Scenen, und schildert sic, wie dort Vul-kan sic hämmerte, glanzend und unvergänglich.Wem Homers Muse den Nebel vom Auge nimmt,gewinnet über die Dinge der Welt gewiß eine große,weise und am Ende fröhliche Aussicht.
Wie Achill mit seiner Leier den Unmuth sichzu zerstreuen suchte: so war es das Amt der lyri-schen Dichter, der Menschen Herz zur Mäßi-gung in Glück und Unglück zu stimmen und eS zurFreude, Freundschaft und Heiterkeit zu ermuntern.Leider sind die meisten derselben untergegangen; dieübriggebliebcnen Reste aber zeigen diese Bestimmung.Pindar selbst, ob er gleich laute Siege besingt, hatso manchen Spruch in seinen Gesängen, der zurMäßigung im Glücke, zum behutsamen Gebrauchedes Lebens einladet; so manchen, der dem Unmuthezuvorzukommen sucht, oder nach Erfahrungen dessel-ben die Seele des Kampfers edel erquicket.
DaS feine Echo der Griechen, (wie Einer un-serer Freunde ihn nannte), Horaz, lhut ein Gleiches.Es wäre zu wünschen, daß er in seiner wohlgefälli-gen, einschmeichelnden Art auch uns eigen werden