der Poesie und bildenden Künste. 8r
auf die besten Köpfe unfcrs Jahrhunderts, auf Män-ner, die sich fürs Wahre, Schöne und Mute mitcntschicdner Redlichkeit bemühten, hat er auszeich-nend gewirkt.
Und doch, m. F., dünkt mir sein System dceMoral unzureichend, sofern es sich blos auf dasckssorrnn st lionesturn als auf ein G e f ü h l grün-det. Es kommen starke Stellen darüber, auch alsPflicht, als Gesetz betrachtet, in ihm vor; imGanzen aber, scheint mirs, hat er, um seine Mo-ral liebenswürdig zu machen, mit der .menschlichenNatur etwas zu sebr gctandelt. Hier muß manhinter allem doch endlich mit der stoischen Philosophiezum alten Worte Gottes zurückgchcn: „Dusollt! du sollt nicht!" sofern uns dies nichtConvenienz, Geschmack und Vergnügen, sondernPflicht und Vernunft Vorhalt.
Neulich kam mir ein Lchrged icht zu Hän-den , wo mir zuerst folgende Stelle in die Augensiel:
Sey liebreich mit Vernunft; Nur weise Huld ist acht,
Gicbt jedem, was sie soll und kränket keines Recht.
Kein Schimmer äußrer Macht, kein Geld, das Skla-ven rühret,
Hält den Gerechten ab, zu thun, was ihm gebühret.
Gleich feurig zu dem Schutz des Edlen als des Knechts
Ist er der treue Freuuv des menschlichen Geschlechts.
Unfähig zu der Kunst, die den Vertrag verdrehet,
Hält er dem Fürsten Wort, wie dem, der nackend
gehet;
Bei ihm ist, was du hast, so sicher, als bei dir,Herders Werkez.schön.Lir.u,Kunst. VlI. § e/«.