der Poesie und bildenden Künste. 77
schlecht, der menschlichen Gebrechen wegen, verworfen,und den großen Haufen, seines elenden Anstandeswegen, verachteten. Sehen Sie nun, ob diese Ge-sinnung mit der Menschlichkeit bestehen kann, dieSie sonst so Kochschatzen und ausüben. Wo kannEdelmuth Statt finden, wenn nicht hier? Wo kön-nen wir je Freundschaft beweisen, wenn nicht attdiesem Hauptgegcnstande derselben? Gegen wen wer-Lden wir treu und dankbar sepn, wenn nicht gegendas menschliche Geschlecht und gegen die Gesellschaft,welcher wir so stark verpflichtet sind? Welche Ge-brechen oder Fehler können eine solche Unterlassungentschuldigen, oder in jeincm dankbaren Herzen jedas Vergnügen vermindern, welches aus liebevolleErwiederung empfangener Wohlthatcn entspringt?Können Sie, blos aus guter Lebensart, aus einemnatürlichguten Temperamente, Vergnügen daran fin-den, Höflichkeit, Gefälligkeit, Dicnstftrtigkeit zu be-weisen, Gegenstände des Mitleidcns selbst aufsuchenund, wo es in Ihrer Macht steht, selbst Unbekann-ten dienen; kann cs auch in fremden Landern, oder,Wenns auswärtige betrifft, auch hier Sie entzücken,allen, die es bedürfen, auf die leutseligste, freund-schaftlichste Art zu helfen, zu rächen, beizustehen;und sollte ihr Vaterland, oder, was noch mehr ist,Ihr ganzes Geschlecht weniger Wohlwollen von Ih-nen fordern können, weniger Achtung von Ihnenverdienen, als Einer von jenen Gegenständen, dieIhnen von ungefähr in den Wurf kommen? —
PH. Ich befürchte, daß ich auf diese Art nixein Freund oder Liebhaber werde. Eine Liebe gegeneine einzelne Person kann ich s» ziemlich fassen ;