der Poesie und bildenden Künste. 71
Immer wird mir wohl, wenn ich auch in un-fern Zeiten einen reinen Nachklang der WeisheitGriechischer und Römischer Musen höre. Eine Aus-gabe, eine Übersetzung, eine wahre Erläuterungdieses oder jenes Dichters, Philosophen und Ge-schichtschreibers halte ich für ein Bruchstück des gro-ßen Gebäudes der Bildung unsres Geschlechts fürunsre und die zukünftigen Zeiten. Eine verständigeStimme, die über unsre jetzige Weltlage aus alterErfahrung spricht, ist mir mehr, als ob ein Bardeweissagte.
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Aus Ihren Briefen, meine Freunde, ziehe ichmir folgendes:
i. Das weiche Mitgefühl mit ldcn Schwachenunsres Geschlechts, das wir gewöhnlicher WeiseMenschlichkeit nennen, macht die ganze Hu-manität nicht aus. Zu rechter Zeit, am rechten Ortziert cs den Menschen allerdings; da Sympathiein reinem Verstände, d. i. eine lebhafte, schnelleVersetzung in den Zustand des Fehlenden, IrrendenLeidenden, Gequälten, der zarteste Kitt der Verei-nigung ähnlicher Geschöpfe, und unter Menschendas lindeste Band ihrer Verbindung ist. Nichts stößtmehr zurück, als gefühllose, stolze Härte. Ein Be-tragen , als ob man höheren Stammes und ganzandrer, oder gar eigner Art scy, erbittert Jeden-