68 II. Ideen zur Geschichte und Kritik
len aber den letzten, den wegen seiner dunkeln Har-te so berüchtigten Tacitus; und man müßte einentschicdner Barbar scyn, wenn man in ihnen dietiefen Auge achter Humanität nicht bemerkte. Taci-tus beschreibt die grauelvollsten Zeiten, ?dic laster-haftesten Charaktere; er deckt einen Abgrund vonSitten und einer Regierungsform auf, vor dem manschaudert; zeige man in ihm aber ein einziges Ge-mahldc solcher Unthaten und verderbten Seelen, daser nicht in das Licht gestellt hatte, dahin es gehöret!Livia, Tiber, Sejan, Caligula, Claudius, und wiedie Unmenschen weiter heißen; gcgcntheils jede un-terdrückte Sprosse des Guten, die sich auf diesemabscheulichen Boden zeigte, alle sind von ihm, wennauch nur mit Einem Wort, in Einem Zuge, demunpartheiischen Mit - oder Gcgengcfühl nahe gebracht;sie stehen auf ewig in der Classe menschlicher,halb- und unmenschlicher Wesen, wo siestehen sollten. Wer uns keine Umschreibung, son-dern eine Uebersctzung dieses Geschichtschreibers ganzin seinen Umrissen, in seiner Physiognomie gäbe,könnte nicht andres, als den Sinn der Mensch-heit auch für unsre Zeit tausendfach^ erwecken undbilden.
Lassen Sie uns also glauben, daß Jung undAlt in beiden Geschlechtern, wenn es die Schriftender Alten in ihrem Geist liefet, nicht anders als zurHumanität bearbeitet werden könne. Die barbari-sche Rinde des Herkommens, die »ns von aussenangesetzt ist, muß einigcrmaaßcn gebrochen werden,wenn wir andere Menschen zu einer andern äußerstverderbten Zeit männlicher denken, würdiger sprechen
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