53 I. Ursachen des gesunkenen Geschmacks
der Men (nicht, wie sie freilich meistens gelesenwerden) schlimmer ist, als er war, der scy schlim-wer! an ihm ist nichts verloren. „Shakespcar!>,Shakcspear!" ruft man — und was denn Shake-spcar ? Hatte Shakespcar keinen Geschmack, keineRegeln? Mehr, als jemand; nur es war Geschmackseiner Zeit, Regeln zu dem, was Er erreichenkonnte. Hätte er mit seinem Genie in den Zeitender Alten gelebt, glaubt ihr, daß er den Geschmackmit Füßen würde von sich gestoßen haben? oderwürde er dadurch schlechter geworden scyn, als eritzt ist? Aber freilich ists ein jämmerliches Wort,Geschmack, nach einem Eompcndium, auf einerEselsbrücke von Vorlesung über die schöne Natur,hergcplaudert. Der wahre Geschmack wirkt durchGenie, und ein edles Genie ist immer wie einStern im Dunkeln. Licht strahlt nur Licht ab,eine Sonne nur Sonne.
III. Aber endlich ist freilich die größeste, besteSchule des guten Geschmacks, das Leben.Wenn da giftige, unterdrückende Schatten stehen,wehe der zarten Sprosse! Wenn da Lustseuchen desguten Geschmacks herrschen, daß die gute Luft garenge wird — wehe dir, rascher, begehrender Jüng-ling !
Wie Knechtschaft die Seele unterdrücke;wie die Begierde, reich zu werden, denGeschmack vergifte; wie endlich der Hunger nachBrod Alles Edle in den Staub trete und zerknir-sche: darüber spricht Longin statt meiner.
Wie Ueppigkeit, Sklaverey, Scheugegen Wahrheit, gegen Mühe, Ver-