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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 7 (1821) Abhandlungen und Briefe
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54 I- Ursachen des gesunkenen Geschmacks

der Seele desselben einen Hellen, freien und leichtenBlick, seinem Herzen ein sanftes Gefühl des Schö-ne» und Guten, mit Beruunsc und Wahl begleitet,geben: das ist so wenig Wort und so ganz Pa-tz a g o g i e , schweigende Lhat und Füh-rung, als etwas seyn kann. Die Seele soll inallen Kräften und Kraftanwcnduugen konson gestemmtwerden, wie die Leier Apollos, In Empfindungen,Sitten und Handlungen soll nicht weniger Geschmackherrschen, rsss in Kenntnissen der Phantasie oderdes Verstandes: denn in Büchern und Schriftexer-citien ist immer nur der Schatten des Rosses sicht-bar, nicht aber das Nofi mit allen seinen Kräften.I st d e r G r u n d n i eh t ti e fer gelegt, so reißtnachhe, eine heftige Neigung die Phantasie sowohl,als das Kunstgedachtmß hin; ist aber die ganzeSeele gebildet, so muß der Geschmack in jederKunst, wenn sie geübt wird, den andern gebildetenKräften wohl folgen.j

Wie schwer aber die Bildung des Ge-schmacks in einem verderbten Zeitalterwerde, ist unsäglich. Dem Zöglinge kommen lauterGegenstände vor Augen, die ihn immer den richti-gen Wink und Anstoß verderben: das Bäumchensteht am Wege, wo jeder rohe Fuß darüber hin-fährt. Das ist auch die Ursache, warum wirmit aller Theorie nie ein Griechenland des Geschmacksaufwecken können. Klima, Sitten, Gebräu-che, selbst geistige Zwecke widersctzen sich,und wollen die scböne Sinnlichkeit zer-stören; unsere edelste Tugend selbst scheint sichihren Schranken zu entziehen. Der Geschmack wird