Lo 1, Ursache» des gesunkenen Geschmacks
^ Der Verfall des Geschmacks wird alsoauch solch ein N acurphäno m enon, als sc ineEntstehung war, ja in dieser liegen schon dieAnlagen zu jenem. Alles nemlich unter demMonde ist vorübergehend: lassen nun die gutenVeranlassungen nach, so treten schlechtea» die Stelle, und dcr Geschmack sinkc.
Wer also auf die Geschichte des Ge-schmacks wirken will, muß auf seine Ver-anlassungen wirken: er pflege den Baum nichtam Gipfel, oder an der Blülhe, sondern in derWurzel. Wer eine goldene Zeit schaffen will,schaffe erst Veranlassungen zu goldene»Zeiten: diese kommen von selbst. Wer den Ge-schmack bessern oder sichern will, schaffedie Ursachen des Schlammes weg, wo-durch er sich trübet, oder sichre die Stützen,die sein Gebäude erhalten; sonst ist seine Ar-beit vergeblich.
Je tiefer die Veranlassungen des gu-ten Geschmacks liegen: desto wahrer ist
auch seine Natur, desto festet und langerseine Dauer. So wars in Griechenland, wo derGeschmack Na tion a l b l üthc war, und zu ge-wisser Zeit unter den Edeln in Rom. Das alteGriechenland ist nie wiedergekommen; also hat auchder Geschmack nie mehr so tief ge fasset,so lange gedaurel. Bei uns ist er nur im-mer auf der Oberfläche der Nation gewesen.
In der Natur ist aber nichts müßig:Kräfte gehen nie verloren: alle Zerstörung ist