44 I. Ursachen des gesunkenen Geschmacks
nie auf festen Boden kommen laßt. Der Grund'davon, daß er nicht weiter kommt, ist, weil erschon so weit kam und nichts ihn chrin-gct, etwas anders zu werden.
So traurig dies auf der cincn Seite »scheint,so ists auf der andern wiederum ein gutes Werk-zeug i» den Händen des Schicksals.Eben, weil die Italiener nur fanden, nur Nach-bild eten und nacha hinten, dies aber aufeine Weise thaten, wie es keiner thun konnte, soidealisirten und imitictcn sie, zwar nicht enge undti.f genug für sich, aber gewissermaßen für ganzEuropa. Sie haben alle Nachbarn gebildet, und-die Samenkörner des Geschmacks über sie gestreuet:Ar io st bildete Spenser, die italienische Satyreden Rabelais, die Novellen den Shnkcspear:die neue politische Philosophie der Ita-liener kam mit bittern Folgen zuerst nach Frank-reich und von da weiter, Karl der Fünfte undFranz der Erste eiferten an Hunst und Geschmackmit Italien und unter einander. Die Nachahmerder lateinischen Sprache keimten in allen. Landen;Italien sollte durch seine Lage und durch alle seineSchicksale eine V or r a t h s k am m e r der Mate-rialien des guten G esch macks für alleWelt werden, und ists geworden.
IV. Ein neues Zeitalter des Geschmacks kamunter Ludwig XIV. wieder, auf das sich, mitRücksicht auf die Verschiedenheit der Umstande, ent-wenden laßt, was bisher bei andern Nationen istbemerkt worden. Wie jene, war cs durch Gcnie'slange vorbereitet worden z Rabelais und M o n-