42 I. Ursachen des gesunkenen Geschmacks
schreckte jetzt ab oder verjährte. Man sah selbst dasSchone in seinen frappanten Zügen nicht mehr,weil man cs zu oft sah; die gesättigte Henne gingüber die Körner weg und hackte nach Farben. Eswar nichts als Mangel des Bedürfnissesam guten Kcschmacke, wodurch der gu-te G e s c h m a c k v e r d a r b u n d ein schlech-terer aufkam.
Tie schöne lateinische und griechi-sche Sprache waren als Werkzeuge des Schö-nen in der Wissenschaft freilich viel; was sind aberWerkzeuge, sobald sie selbst Zwecke »vertun ? WennVe mb o die venckianische G.schichte römisch schreibt,die doch nicht römisch g.dacht und geführt war: wennder Kaidmal sich scheut, die Vulgate seiner Kirchezu lesin, um sich seinen Styl nicht zu verderben,und siin.n allerheiligsten Vater selbst als eimn rö-misch.»» Grammatiker schreiben läßt, in dessen Qua-lität »r doch nicht Briefe eines solchen Inhalts schrei-ben konnte: so sieht man das Spiel, die Dis-proportion z w > s c h cn Z wec k u nd Werk-zeug, den phantastischen Zwang. Undalles S piel, aller Zwar» g , alle Phantaste-r e i muß sich bald selbst auflösen. Uebcr solche schö-ne Nachahmung der Alten ohne ihre Ge-danken und Sitten war nun nichts möglich,als tobte Gelehrsamkeit, Buchstaben-kram, Akrosticha und Anagrammen,die also auch alle folgten. Das sicbenzehnte Jahr-hundert folgte aufs sechszchnte, und noch unterliegtItalien, einem großen Thcile nach, solchem Wüste.Die Samenkörner des guten Geschmacks sind in