Ho I. Ursachen des gesunkenen Geschmacks
Bei den Griechen war der Geschmack Naturgewesen, ein Bedürfniß, eine Angelegen-heit, wozu sie zu gewissen Zeiten undunter gewissen Umstanden Alles einlud;bei den Römern, obwohl in kürzerer Frist, undauf eine eingeschränktere, unvollkommenere Weiseebenfalls. In Italien jetzt ungleich weniger,als selbst in Rom. Die Alten nachzuahmcn,damit sie nachgeahMt würden, undweil, sic nach; nahmen, doch schön sei),ist ein zu kalter, bebender Zweck. Sich von ei-nem feinen fr e i g e b i g e n s K en n c r d erKunst belohnen zu lassen, noch ein kälte-rer. Mit den Alten zu wetteifern, jasie neben ihren Werken zu übertreffen,wollte mehr sagen; ward aber von den wenigstengesucht, und konnte nicht gesucht werden , weil nichtdieselben lebenden Antriebe da waren,die die Alten gehabt hatten, und doch immer dieneuere Kunst nur bestimmt war, ein Kranz derAlten zu sevn. Wozu B. die den griechischenGöttern und Helden nachgeahmtcn Bildsäulen itzo?Etwa um Allegorien, Tugenden, Papste, biblischePersonen vorzustellen? war das im mindesten mitder griechischen Kunst vergleichbar? DerKünstler ward also nicht befeuert, der Lauf derKunst nicht von lebendiger Geschichte,noch von edcln Bedürfnissen des Volksfortgestoßen; also auch nicht durch solche bestimmtund in Schranken gehalten: und siche, da-rin lag schon der Verfall der Kunst. Wennsnur Nachahmung war, so durfte man auchnicht, oder nur bis zu einem g c w i ssen G ra-