Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 7 (1821) Abhandlungen und Briefe
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

36 I. Ursachen des gesunkenen Geschmacks

leichteste, das er für sein witziges, üppiges Zeitalterlhun konnte: denn oben in den Sturm hinauf warszu weit, auch zu gefährlich. Ucber das Alles läßtsich nichts sagen, als: Fluch auf die Tyrannen,

die mit den Kräften menschlicher Thätig-keit auch jeden cdcln Schwung desmenschlichen Geistes fesseln!

So schleppte sich die Zeit hinunter, bis die Bar-baren andrangcn und sich allmählich schon Spra-chen, Sitten und Denkarten mischten.Im großen römischen Reiche waren überall fremdeKriegsvölker: die Provinzen drängten sich mit Bür-gerrecht und ohne Bürgerrecht und ohne Bürgerge-sinnung ins üppige Rom, ins erschöpfte, verlasseneItalien: cs was also eine Sprachenverwir-

rung. Die Kaiser liebten barbarische Trachtund barbarischen Geschmack; die römi-sche Ueppigkeit hatte schon, der griechischen Einfaltmüde, das Ungeheuer des ägyptischen Geschmackslange gcliebct; unter den dreißig Tyrannen goß sichauch aus Asien ein verdorbener Geschmack hinüber;cs ward also ein Taumelkelch von Sitten und Denk-arten , wie von Völkern im römischen Reiche. DieGriechen verstanden unter Eommodus den Homernicht mehr, und die lateinische Sprache neigte sichzur Rustiaa Romuna: Alles ging endlich in die

große barbarische Fluch unter. Zufälliger Weise trugvon den Zeiten Hadrians und der Antoninean die christliche Religion auch ihren Theilzum allgemeinen Verfalle bei: denn da die Musterdes alten, ächten Geschmacks mit dem Systeme derAbgötterei verbunden waren, so mußten die Christen,