3g I. Ursachen des gesunkenen Geschmacks
sich gar nicht oder äußert mühselig fcrt, und istlangen leb.ndigen Todes vermodert. Sv rvars mitdem römischen Gcschmacke, da auch er gefuttert wer-den mußte.
Traurig ist die Bemerkung, aber wahr, daß,sobald der Geschmack sein lebendigesElement verloren hat, ihn auch einzelneRegeln und gute Bemühungen nichtHerstellen können. Quintilian predigteumsonst; Plinius und Tacitus in der kleinenbesseren Zwischenzeit, auf die sie trafen, b leben im-mer noch sehr fern von der alten Kraft und EinfaltTie Ursachen davon ergaben sich aus ihren Werken.In einer eigen angelegten Lobrede, wenn es auchauf einen Trojan wäre, kann sich so wenig Römernberedsamkcit zeigen; als in Briefen, die manfürs Publikum schreibt und sammlet, der achte Brief-geist, gleichsam der 8xiriin8 ksiniliaris unsers Le-bens athmen kann. Des Tacitus tiefsinnige,überladene Kürze ist offenbar nur zur Bedeckungseiner und seines Zeitalters Mangel. Wäre die Ge-schichte noch eine so offene, gemeine, republikanischeSache gewesen, als sie zu Sallust und LiviusZeiten war: so würde er gewiß nicht so raffinirthaben. In einer Republik, in der jeder anr Gan-z,n Thcil nahm und keiner solche Winkelzüge kann-te, wäre er mit seinem Roman tiefer Bosheit- undStaatsgeheimnisse verachtet oder verlacht worden; echatte ihn aber auch nicht geschrieben. Jetzt aber, daer alles aus fernen Zeiten der Tyrannei, der List,des Ohrenblasens herholte, nahm auch seine Ge-schichte unvermuthet die Gestalt der