26 I. Ursachen des gesunkenen Geschmacks
wo keine'Selbstwirkiamkcit, keine politische Freiheitmehr war ? Selbst die Geschichte gcrieth inFesseln, und Alexander hat für keine Thaten keinenLcnophon oder TKucidides gefunden, weil zu beidenes gehörte, daß kein Alexander da scyn mußte.Die Kunst blühete bie und da, und dann undwann an Höftn: diese waren aber Treibhäuser undnicht mehr Garten der Natur. Die Komödieverfemte sich mit Meuander, eben weil sie sich jetztan seinem Spiele begnügen konnte. An PtolomäusHofe gabs eia Siebengestirn von Dichtern,die aber auch der Größe nach ein Siebengestirn wa-ren. Der einige Theokrit, der sich ins Schaferlebcn,von welchem immer Reste alter Unschuld und Wahr-heit überbleibeu, zurück verirreke, fand einigermaßeneine wahre Sphäre: den andern fehlte es offenbar
air Inhalt, Muse, und an f r e i c m , l e b e n-digem Raume zu wirken. Die Dichtkunstwartete im Vcrgcmach auf, sie schnitzelte Becherund Blumen, wenn sie nur gefallen konnte, odersuchte durch Kunst, durch Zwang, durch Schmeiche-lei) und Gelehrsamkeit ihren Mangel zu ersetzen,das ist, Alles zu verderben. Selbst die griechi-sche Sprache verfiel, da sie in andre Landerwanderte; und die Lander, wohin sie wandern muß-te, waren leider Asien und Aegypten, in denen soviel Schwärmerei), so manches süße Gift keimte.Bis ins Her; von Persien und'Indien waren Grie-chen verstreuet. Geistige, überspannte Ideen derPerserphilosophie und des neuen Hellenismus gahrkcnalso vom Caucasüs bis nach Lybien zusammen: dergriechische Geschmack verlor sein Anschaubares, seineschöne Sinnlichkeit und Reinheit; ja, er wäre ein