bei den verschiedenen Völkern rc. ' »5
gegen, so entstehen Zwistfälle, bei de-nen der Geschmack nie zur Reife kommt.Ihre Einwirkung wird sodann verdan-ke l t, g e t ä u s c h t u n d ü b e r w o g e n ; sie ruftvergeblich. Man muß also das Verderben des Ge-schmacks anderswo suchen, als bei ihr.
III. Man suchts in den sittlichen Kräf-ten, und will, daß bald Frömmigkeit den Wohlge-schmack, bald Verfall am Geschmack die Gottlosig-keit nach sich ziehen müsse. Mit welchem Rechte?
i) Geschmack und Tugend ist nicbteinerlei. Jener ist nur Ordnung und Gleichmanßgewisser sinnlicher Kräfte zu oder in ei-nem Kunstwerke; diese soll Ordnung und Gleich-maaß seyn in allen unfern Kräften zumgroßen Werke unsers Lebens — ein großerUnterschied! Das Kunstwerk kann so eing esc h r än k t,die Kräfte der Seele darauf so eingeschränktseyn, als der Instinkt der Biene auf die Zelle; diemeisten höheren und thatigen Kräftebleiben also ungeregelt und lobt. DasKunstwerk kann denMenschen so an sichziehen, daß eben diese Leidenschaft die andern Kräf-te und Neigungen aus der Fassung bringt;und so wird die Wuth des Geschmacks, wie je-de andere Wuth, für die Moralität ein Fall-strick. Gewisse Werke können endlich wirklich eineL ei d e n sch a ft fordern, die denn künstlich-,aber nicht moralisch-gut ist. Sie wollen Sturm,nicht aber Sonnenklarheit. Brutus war kein Ciceround Sokrates kein Perikles , kein Domesthe-nes. Die Staaten, in denen der beste GeschmaE