Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 7 (1821) Abhandlungen und Briefe
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

,c> I. Ursachen des gesunkenen Geschmacks

Morast oder Meer mit seinem Namen zeichnen':denn er wählte falsche Zwecke und erlag also auf demWege. Oder ein Genie hatte ein edles, wahres, einwohl zu erreichendes Ziel; nur es hatte dahinkeinen Führer. Es nahm alfo im ersten Feu-errauschc eine falsche Bahn, sah zu spat, daß esirrete; und war Genie, hatte einiges Gute auf derfalschen Bahn erreicht, sah zurück und hatte nichtGröße genug, das alles aufzugcben und neu cinzu-lenken zu einem bessern Wege. Vielmehr spiegeltensich falsche Zwischcngcgenstande ihm mit Reizen, vordenen cs nicht widerstehen konnte; es traute sich zumit seinen Kräften aus dem schiefen Wege noch im-mer dahin zu kommen, wo kein anderer auf solchemWege gekommen war: es lief fort und ward mit

seinen edeln Kräften ein Urbild des falschen Ge-schmacks, eine verführende, n egative G röße-Das ist die traurige Theorie des verfallen-den Geschmacks in allen Zeitaltern,aus dem Gesichtspunkte des Genie's b e-t r a c h t e t.

Und das ist zugleich, ohne alle Deklamation,die achte Lobrede auf den Geschmack,w i c fe rn e r d ur c h das Genie wirket; erist nemüch das Steuerruder der Kräfte desselben aufdem wüsten Meere des Zufalls. Daß jeder sich eineBahn wählen und auf ihr mit Inbrunst strebenkönne, ist Werk der Natur; daß er sich eine richti-<>ge Bahn wähle, und auf ihr zu edeln , erreichba-ren, nutzenden Zwecken strebe, ist Werk des Versuchsund der Erfahrung. Wohl dem, dem, wieHerkules, die Göttin erschien, ihm den Weg zu zei-ge», ihm Muth einzusprechen und sich ihm zur Füh-