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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 7 (1821) Abhandlungen und Briefe
Entstehung
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6 Ursachen des gesunkenen Geschmacks

muß vorausgelien, ehe Geschmack werden kann. DerOrient, das -Vaterland aller menschlichen Bildung,war lange das Land des rohen, starken, erhabenenEenie's, ehe Griechenland kam und die Schönheitweckte. Ar Griechenland selbst- gingen viele rohe Na-men, ungeheure Versuche, alle Falle und Würfe über-treibender und hinsinkender Kräfte voraus, ehe sichdiese Kräfte in Ordnung brachten und sich der Ge-schmack erzeugte. Ein Kind unterliegt zuerst dem tau-sendaestaltigcn, tiefen, unermeßlichen Weltall, ehesich ihm die Bilder vom Auge rücken, sich von ein-ander sondern und Ideen werden. Erst durch vielUnschicklichkeiten roh angewandter Kräfte lernt derRinger mit Gleichmaaß kämpfen und überwinden.

Wir sehen also: Bei einem Volke, dasnoch roh ist, muß man nicht vom Ver-fall des Geschmacks, sondern von lang-samer Bildung zum Gcsch macke, zurWohlgestalt reden. Habe es immer hie undda glücklich oder scheinbar nachgcaffet: gebe es sichauch selbst die größestcn Lobsprüche,wie sehr es Ge-schmack habe!" niemand ruft mehr, als ein proben-des Kmd:Kann ich nicht schon? Kann ich nichtschon?" Und wenn es könnte, würde cs nicht alsorufen. Hier muß man also weder stören, noch Nie-derschlagen, sondern weisen und aufmuntern. Allezu früh aufgedrungcne Regelnmaasse, ehe man selbstdie Regel als unentbehrlich ansehcn lernt, und gleich-sam von selbst darauf kommt, sind schädlich und blei-ben auf immer schädlich, wie man an dem sixirten,seyn sollenden Geschmacke in Aegypten und Sina sic-het. Der Schöpfer selbst ließ ja erst das Chaos aus-