Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 3 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 1
Entstehung
Seite
364
Einzelbild herunterladen
 

264

Christliche Reden

und das Miize Meer der Säfte des Körpers ist imAufruhr; das Herz) lagt, das Blut wal-let, die Adern pochen, die Nerven strengen sichan; überall ist der Gedanke der Seele. Jetzt ruftsie sich Bilder der Abwesenheit, des Ver-gangenen, des Todes, der Ewigkeit her-vor, schafft sich gleichsam eine Gegenwartaus dem Nichts! denket sich, was sie nie ge-sehen, Engel, Geister, Wesen, sie denket sichGott was ist das nun, was in ihr denket?Licht? Flamme? Othemzug? O Thor! und duwillst, was in der Empfindung selbst nichts ähn-liches, kein Bild, keinen Begriff hat, daswillst du, wcnns außer deiner Empfindungist , sehen? messen? verfolgen? du willst,wie ein Kind, den Schatten an der Wand greifen,und wenn du ihn nicht greifen kannst, gar wider-allen Augenschein laugnen, daß ein Schatte sep?Ja noch mehr: du willst aus einer Ursachelaugnen, von der du es dir selbst offenbar undunzweifelhaft erklären kannst, daß cs keine Ursachesep? Sehet, M. Z., so sind die Schlüsse gegen dieUnsterblichkeit der Seele!

Nein, Seele in mir, ich kenne dich nicht,aber ich f ü h l e dich unsterblich! ich fühlees, daß du edler bist als alles, was ich zu mei-nem Körper rechne; das kommt und schwindet, undist nur dein Werkzeug, das mit dir nichts ähnlicheshat. Aber du bist die Bewohnerin, die Künst-lerin, die He r r sch e r i n, der S t r a h l derGotiheit in diesem Tempel! Du bists, für diedas Ohr gebaut ist, daß es höre; das Auge gebaut