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Christliche Reden
men, kann einem empfindlichen Geschöpf keine Thräneentfallen, ohne daß wir sehen, wie fern und nahe,bei Freund und Feinde sich ähnliche Saiten der Em-pfindung regen, schwirren und beben, bis alleswieder hcrgestellt ist, was sie vermögen — großerAllempsindcr, der fühlt und mitfühlt, daß Einge-weide in allen Adern der Natur voll Erbarmen wal-len , der durch jedes Mitgefühl zu Hülfe zu kom-men strebet, das bist du ! Jammert einen Menschen,einen Fremden, einen Feind sein Bruder: kann eineMutter ihre Kinder vergessen, so kann er uns nichtvergessen: wir sind das Siegel, der Ausdruck der
Empfindungen seines Herzens selbst.
,,W o habt ihr ihn hin ge legt? —Komm und siehe!" Un d I csus w c i n teselbst! Wie nun? was war an den Worten, ander Frage und Antwort und an dem Gehen nachdem Grabe, daß der, so erst seinen Schmerz zu-rückhielt und selbst auf eine edle Weife zürnte, daßihm noch in den letzten Augenblicken der Hülfe dieWehmuth so vieler so stark und enge in den Wegtrat — was war nun an den Worten, daß der jetztselbst ausbrach in Thrancn ? — Wer das nicht füh-let! — Sage dir selbst, o Mensch, erst immer vielabgezognen Trost über Grab, Tod, Leiden, undkomme nun, es bestimmt zu denken, zu sehen,zu fühlen: da liegt er der Kranke! da wird erhin gelegt, der kalte Erdklos, nicht mehr Mensch,nicht mehr Bruder, der unter uns, bei unswohnte und lebte — wird hingelegt und liegt — aufseiner Bahre, ein Stück Eis! — gleitet hinab indie Tiefe, und die dumpfen Erdschollen ihm nach —