und Homilien, 33r
selbst verstummet, und dein Nichtseyn innig füh-let. Wo die Andern nur weinen, gerührt werden,wird Jesus innig gerührt, bewegt, alle Empfindun-gen erwachen, Gott ist Gott! in ollem Gefühl undMitgefühl der Innigste, Tiefste, Nähestc! dir näher,als du dir selbst bist mit deinem Schmerze,
Maria weint! Alle weinen! Jesuswird bewegt. Heiliger , schöner Augenblick, woviele Herzen Eins sind, gemeinschaftlicher Regun-gen und Empfindungen der Menschheit! wo duaufwallest, reißest du bin, auch der Funke geht indeine Flamme über! Was man auch immer gegendas Trösten sage: trösten freilich ist nichts, die Wortedes Trostes find Lufthauch; aber ists Mitgefühl, dassie ausffößt — siehe da die Spur gegenwärtiger,mitfühlender Gottheit! die einzige Salbe zu lindernWunden der Seele. Es ist, als ob in der Thranedes Andern ein Strahl, ein Schimmer vom dun-keln Himmel fiele: „auch die Gottheit erbarmt sichmeiner!" Kann ein menschlich Geschöpf, das wieich seine Bürde fühlt, seine eigne Last zu tragenhat, und mir nicht helfen kann, kann's mit mirfühlen und mir helfen wollen — o wenn einSchatte der Gottheit, ein'höherer, unsichtbarer Geisthier um mich ist, und sichet und fühlet -— unddu großes, allerfüllendes, überall inniges Wesen,Empfindung unsrer Empfindungen, Geist unsresGeistes, die Seele unsrer Seele, du bists, der injedem Unglücklichen mehr als er selbst leidet, Wennsmöglich wäre daß du littest! — Wohlan, so leidetauch Er nicht, der Augenblick der Trauer ist Bürgeund bereitet ihm Hülfe. Kann kein Haar sich krüm-