Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 3 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 1
Entstehung
Seite
324
Einzelbild herunterladen
 

324

Christliche Reden

uns unbegreiflichen, Rück - und Umweg neueKräfte, bis er erneuert in die Glieder des Men-schen und zugleich in die ganze Außenschöpfung tritt:um und in den Menschen lacht fröhlicher Morgen!So ist, was wir Tod nennen, nur ein ferner,wunderbare r und verborgener Umlaufzur Wiederauflebung, zur Verjüngung unsererKräfte. Der Mensch könnte, wie ohne Schlaf desfolgenden Morgens, so ohne Tod, ohne Erquickungund Umwandlung seiner Gebeine des folgenden Hä-hern Morgens nicht genießen: Schlaf und Tod

sind Brüder, sind die nothwendigstc, sanfteste Na-turwohlthat, wie Nacht und Dämmerung zwischenTage und Tage.

Lazarus, unser Freund, schläft,ab e rich gehe hin, daß ich ihn aufwecke.Siehe da den Aufschluß über Seyn und Zukunft.Du schlummerst, Bruder Jesu, und fest ist deinSchlaf, enge deine Schlafkammer, niedrig deinKissen von Staub: fernher aber naht sich schon,

dir noch unhörbar, der Schritt deines Auferwcckers.Gedanke, Schluß, Kraftthat ist schon gefaßt: zudeinem Moder wallen schon von fern, ohne daß dusie flehest, die Gluträder der Schöpfung rollen hörst,Funken deines Lebens dir naher. Bald ist dieStunde, und die Stimme deines Freundes ist außenvor dem Grabe: ,,Stehe auf, Lazarus! mein

Freund! erwache! Der Morgen ist da, die Stun-den des Schlafs sind vorüber! Ein schöner Mor-gen ! Frühling und Sonne ist auf den Hügeln,schöner, als du sie gestern sähest! Stehe auf, La-zarus! Erwache, mein Freund!"