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Christliche Reden
düstre Stunde! Wenn er nun angekettet an diesJetzt, an diesen finstern Augenblick da liegt, undHimmel und Erde auf sich fühlet — o Vater,stehe ihm bei, einen Strahl deines Blicks, wie duihn betrachtest, einen Schimmer der Gottheit inseine Seele: „die Krankheit ist nicht zum Tode,sondern zur Ehre Gottes, auch zu deiner größtenGlückseligkeit und Freude!" daß er sich über seintrageS Jetzt erhebe und sich in Gott, Gott in sichfühle. Daß es Gott sey, der sich in ihm, und injedem Wurme leidend fühlt! daß es Sache Gottessey, ihn zu vollenden. — Ja, mein Gott, wennmeine Seele matt ist, wie dieser crstvrbne, dürreBaum des WintcrS ! — an den dürren Baum willich knien und lobsingen. In ihm ist noch Kraft,in seiner Wurzel ist schon Frühling: er grünt undblühet schon vor deinen Augen ! Aber er harret undist geduldig, bis die Frühlingssonne komme undden Saft, die Kraft Gottes, die er in sich hat,wecke — Vater im Himmel, dein Wille geschehe!
Jesus aber hatte Martha m lieb undihre Schwester und Lazarum: als er
nun hörte, daß er krank war, blieb ernoch zwei Tage an dem Orte, da erw a r. Sonderbare Verbindung und Prüfung de-rer , die er liebte! Wie lang werden dem Leiden-den , den Hoffenden, die zween Tage geworden seyn!der dritte kam: Lazarus starb, und Jesus kam
nicht! „War nun die Krankheit nicht zum Tode?war sie nun zur Ehre Gottes und Jesu?" IhreSinne waren verwirret in Traurigkeit, in Mut-losigkeit, die auch selbst ihre Zweifel gegen Jesum