Christliche Reden
264
Alle Jahrszeiten des Menschengeschlechts, in denenes', wie ein edler Baum Gottes aus Keim undWurzel allmählich zum Stamm erwuchs, mußtenvorhergegangen seyn, ehe über dem Stamme, dasedle Reis, Christus, als eine hinaufgepflanzte Kronekeimte. Man hatte so weit kommen müssen, umes überall zu erkennen und zu lehren: ,,in allerWelt, wer ihn fürchtet und recht thut, der istihm angenehm!'^ Da konnte Christus kommen,und siche da kam Erl
Da kam Jesus und brachte die erhabenstenBegriffe von Gott, der Menschheit, der Tu-gend, der Unsterblichkeit ans Licht, in dereinfältigsten, ebensten Sprache. Was alle Weiseneinzelner Nationen bisher mühsam erforscht undbewiesen und in die Schranken Einer Schule, Ei-ner Nation, Eines auserwählten Haufens einge-schlossen hatten, das sollte durch Christum jetzt all-gemeine Religion der Welt, und auch des simpel-sten Volks der Welt, und dessen eben am erstenund eigentlichsten werden! Hätte das früher scynkönnen? Mußte nicht vorausgeben, was vorauS-ging! Die Morgenröthe vor der Sonne, die Er-ziehung aus Kindheit hinauf zum männlichen Alker,die Abstreifung alicr und allerlei Volks - und Na-tionalbegriffe zur srcicrn Annehmung der Wahrheit!Zur Zeit der Römer also ward Jesus geboren! Er,der von Ewigkeit auscrsehen und auf den, als aufden Mittelpunkt, die Zeiträume der Welt versaßtwurden: der Mittelpunkt sollte stchkbar werden underscheinen, eben in der Mitte oder am Ende derTage, da die Welt auf ihn gereist war! Da die