224 Christliche Reden
vorigen: wie sproßt das Saamcnkorn Gottes —>„und aus der Nacht bricht Morgen !"
Laßt uns einige Spuren der weisen Güte aus-zeichnen, von der die ganze Geschichte voll ist.
a) Wie schön, daß Gott also durch den Munddes Engels sür Trost und Aufrichtung der Mariasorgen ließ, und sich der Schwachheit eines zartenweiblichen Herzens bequemte! Alle Aussichten mitihrem Sohn und seinem Reiche waren freilich groß— aber zu groß und entlegen, als daß sie der ge-genwärtige, betäubte, verworrene Blick der Maria,der nur zunächst um sich sähe, und da Aufklärungwollte, fassen konnte. Die Ehre und AuswahlGottes, Mutter seines Sohns zu werden, war aller-dings groß und fähig genug, ihre Seele zu erheben,wenn sie zuerst— vom Drucke los war; aber daßsie diesen erst los würde, daß ihre Seele sich erst devmenschlichen, weiblichen Familicnbekümmerniß ent-ledigte und gleichsam freie Schwingen bekam, dieHohe des andern, himmlischen, göttlichen, großenTrostes zu erreichen — das war der erste, schwersteSchritt, und siehe, zu dem reichte die gütige, müt-terliche alles zuvor bedenkende Vorsehung ihr selbstdie Hand. Gott fühlte sich in ihr Herz, fühltedessen Wunde, und halte für dieselbe, ehe er sieselbst anrührtc, schon Arznei bereitet. Jenseit demGebürge! — Elisabeth, ihre Freundin, in ebendem Gange der Vorsehung! ihre Trösterin und Al-les! — dahin winkte sie also die Vorsicht! —
Kann man sich etwas Gütigeres von der höch-sten Güte gedenken? und siehe, wie oft! wie oft
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