i8o Christliche Reden
Landesart, in derer sprach; ein Fischer mitFischern,ein Armer mit Armen. Da steht er hier in einemfremden Schiffe: am Ufer ist Volk, ihn zu hören;er spricht, er umfaßt sie alle, in ihrer eigenstenDenkart. Aber in jedem seiner Worte ist Himmelvon Gegenwart und Zukunft: jedes seiner einfaln-gen Gleichnisse, Perle des Reichs Gottes, ein klei-nes Saamenkorn, in dem der ganze Baum derEwigkeiten ruhet. Schiff und User wird ihm derreinste, heiligste Gottestempcl.
Wir sind, meine Christen, immer noch fernvon der Gottes-Einfalt, Fülle und Wahrheit Jesu,wenn wir das, was Religion ist, nicht auch inder klaren, Hellen Weite und Allanwendung fassen.
So lange sie uns eine andächtige Menschenfeindinist, die wir in Tempel, Zellen und Klöster sperren,nur in einzelnen düstern Stunden und Zeitläuftenan Gott denken wollen, wenn wir an sonst nichtsdenken können; so lange können wir sicher wissen,daß sie nicht ist, was sie scyn soll. Die Gottes-Empsindung Jesu war nichts weniger als solcheabgesonderte oder gewohnheitsmäßige Heuchelei: siewar fortgehcnder Geist und Saft seines Lebens:es war ihm Speise und Trank, Freude und Ruhe,immer zu thun den Willen des Vaters, immer zuthun, was er den Vater thun sähe. Der Geistwebt durch alle Evangelisten , durch alle Briefe undLebensgeschichtcn seiner Jünger und Apostel: Chri-stenrhum ist nichts, oder cs ist der herrschende all- !gemeine Geist im Leben eines Menschen, der keinS jseiner Worte, Geschäfte und Handlungen verlassen >soll, sondern sie alle, im verborgnen Leben mit