Christliche Reden
r6o
Thiere und Krauter!" Wenn unsre ganze Seele,unsre ganze Denkart nur eine Summe der Ein-drücke aus unserm Leben, der Situationen undErfahrungen ist, in denen wir — der Thätlich-keitcn, die durch uns waren! so ist ja das dieBeute unsers Lebens, die einzige, die wir miineh-mcn; alles andre ist, als wäre cs nicht gewesen!
Bloß auf diesem Wege kommen wir auch vonder elenden und häßlichen Krankheit der Seele ab,die man Eitelkeit nennt, und die sich zur wah-ren Thaten - Würde so verhalt, wie der elendeSchein zum Seyn, das Kleid zum Manne— eine Krankheit aber, die doch so sehr dem schwa-chen Erdengeschlechte nachstellet. Eben, M. Z-, weilwir schwach sind, weil cs der Mensch fühlet,und zu bald suhlet, wie wenig Gutes er wirklichthun, ausrichte n, wirken kann: so will erdoch gut scheinen. Stolz kann er nicht aufsich scvn, und wird also eitel. Er hat sich hun-dert Vorzüge von Flitterstolz, von schönem großenSchein, von Vorzügen ersonnen, die leichtsind, die andre Narren, die auch zu nichts Befsermkommen können, durch eine Art von Narrcncin-verrrag gelten lassen, und annchmen für das, wassie doch nicht sind; und so studirc man endlichauf solches Flittergold im Denken, im Empfinden,im Betragen, gar im Kleiden, in den Manieren,macht sich zur Puppe, und will, daß das ganzeMenschen - Geschlecht mit uns als Puppe spiele.Wenn wir durch etwas von dieser kindischen Denk-art abgebracht, und noch zu einer männlichen
Denkart