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Christliche Nedeii
ein recht guter Mensch sey, das ist, er hat einigerecht gute Gedanken, M e y n u n g e n, Gr u n d-fätze, Absichten, auch wohl Entschlüsse, auchwohl wirkliche Anlage zu Thaten. Solche guteSeiten und gute Stunden nimmt man denn nungemeiniglich zusammen, wenn man von demandern, und am meisten, wenn man von sich selbstein gutes Bild machen will, das ist, wenn mandarauf aus geht, ein gutes Bild machen zu wol-len.. Das gute Bild ist alsdann gänzlich auf gu-ten Wahn, auf gute M e y n u n g von sich ge-baut, und diese gute Mcynung wieder aus den gu-ten Meynungen einiger guten Stunden, und alsowieder aus purem, eitlen, leeren Wahn geschöpfet.Alsdann sind alle Menschen gut, und welcherrinthatige Müßiggänger, welcher wirkliche Bosewichtist, der sich nicht über diesen guten Wahn nochimmer entsetzlich loben könne?
Nun aber werden wirs schon finden, M. Z.,daß dieser Wahn, dies Aufwallen guter Meynun-gcn, was man gemeiniglich Sentiments nennt,nicht bloß mit der Zeit a u s u n se r m A n-dcnken schwindet, sondern sich auch mit derZeit, mit dem Fortfluß der Jahre und Lebens-Situationen sich so verändert, sich so weniggleichblcibt, daß, wenn ein Mensch auf nichtsanders zu rechnen hak, er hier auf sehr vcrschoßneSummen rechnet. Wir andern uns mit den Jah-ren und Situationen so sehr: was wir zu einerZeit für gut erkannten, fangt vielleicht zu einerandern Zeit an, uns so schwebend vorzukom-