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Christliche Reden
.ihm gleichsam eine ungefühlke, andre, frem-de Welt sind? Der emsige, billige, innige,allgegenwärtig mitfühlende Richter, der Wahrheit,Treue und Tugend m jeder Gestalt, in jederVerkleidung kennet, ist G e t r; und wir sollenalso, sclwn so allgemein betrachtet, nicht, oderäußerst behutsam richten.
Allein nun besonders betrachtet, wann ur°thcilcn wir auch nur so unpartbevisch und allge-mein , indem wir uns gegen a n dre s c-tz e n? So bald wir ü der u n s urtheilen , sindwir ja schon die partheyische Pacthei — der Punktder Ehre ist ja säst der zarteste Punkt im mensch-lichen Herzen '— und wenn dieser nun gar auchnur von fern, nur mit einer Nadelspitze getrof-fen w i r d — Wertst, der sich da noch gIei chbleibe? dem sich nicht alsdann alle guten Sei-ten meistens bei einem Gegner verdunkeln, der nureine unsrer guten Seiten schmälert? Der gerech-teste Mann kann in solchen Augenblicken Unge-rechtigkeiten, der kälteste und Helleste MannU n g e r e i m t h e iten begehen, vor denen er sichzu andrer Zeit, selbst entsetzet. Auch in den edelstenSeelen wird alsdann die Ehre ein Sauerteig, dernur zu oft, auch Neid, auch wirklichen H o ch-m u tch, auch Grausamkeit, auch menschen-feindliche Unterdrückung hervorgahrec.
Hier sehen wir also am deutlichsten, wieweit und fern die beiden Wege des Stolzesund Hochmuths auseinander gehen, und wie schwer