Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 3 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 1
Entstehung
Seite
139
Einzelbild herunterladen
 

und Homilien.

1^9

der Natur haben, sich in das Leben der andernnicht hineinzudcnken, sondern unmittelbarh i n ei nz u e m p fi n d en! die die zarte Mitstim-munq von Empfindungen besitzen, jeden Ton deSMenschlichen, des Guten, des Edlen, auS der an-dern Seele, in der ihrigen zu suhlen! sich überein fremdes Gute, wie über ihr eigenes zu freuen !und ihr Leben tausendfach mehr durch die Glück-seligkeit andrer genießen. Wie selten sind solcheSeelen! wie selten, daß, wenn und wo siesind, sie sich begegnen! wie selten bei ihrer Begeg-nung, die Augenblicke der wahren Vertauschung derHerzen, der wahren Thcilnehmung! Und wer nunauf alles das nicht rechnet, wer gegen jeden Frem-den , in jedem fremden Augenblicke seine Geschichteund sein Leben, sein Lob und seinen Ruhm,so unbedacht, als seine Gesichte zu Markt trägt,immer von sich spricht, es mag sepn, wer dqwill, der da höre! oder er höre, wie er wolleWas ist der als ein tönendes Erz, oder eine oftsehr unangenehm klingende Schelle!

Mich dünkt, M. Z>, schon ein wahrer guterStolz auf sich selbst müßte diese leere Großspreche-rei von sich selbst vernichten können: denn ists nichteine wirkliche Verachtung gegen sich selbst,sich gleichsam mit der ganzen Welt gemein zu ma-chen , und jede Gassenseele für den Bruder erkennenzu können, dem man sich mir der Geschichte seinselbst anvertraue? Ich bin, wcnns auch nichts wei-ter wäre, zu stolz, um jeden Ungewaschnen anden er auch mit uns denke, uns ihm nur zeigen