Christliche Reden
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schuldig machen müßte; vor den Augen, im Kreisedes Umganges jener zu erniedrigende Ton der Höf-lichkeit, der sich selbst gleichsam verniehtigt,in der Sprache seiner Person fast kein Ich hat,sich ganz dem andern ausopfcrt, anheim-stellet, unterwirft — ein ganzes lebendigesCompliment! ein menschlicher sich bewegender, spre-chender Bückling! Und daß man nachher hinterdem Rücken, in Abwesenheit, in seinem Herzen,in der Einsamkeit sich um so vielmehr überden andern wegsetze, vor dem man sich sosehr erniedrigen mußte; — man fühle nicht bloßsich selbst, wie man etwa sich fühlen solle, sondernfühle sich nur eben im Gegensatz vonandern, durch Ueberhebung, durch Verachtung,durch Zurücksetzung desselben. Da mit dem wahrenVerdienst keine wahre offene Ehre verbun-den sey, und verbunden seyn könne: so müßte selbstdas Verdienst sie sich auf so krummen Wegensuchen, oder sich selbst geben — und so werde dietiefste Demuth und die unwürdigste Hoffaclh ebenmit einander gepaaret, und bringen sichwechselswcise einander hervor,
Allerdings mag nun an dieser Heuchelei undstolzen Schein-Demuth auch manchmal ein Miß-brauch der R eli g i o n schuld , oder die Reli-gion vielmehr nur unter hundert andern m i t dieMaske seyn, die der Demuth-Heuchlcr oft zu sei-nen beliebigen Zwecken wählt. Da aber überhaupt,was man Sitten des Jahrhunderts nennt,nie aus einer, sondern aus tausend Ursachen, undlangen allmahligen Veranlassungen sich erzeuget —