i2ü Christliche Re deck
Triebfedern wissen oder in Gewölk haben, wiekonnten und dürsten wir so ganz die Seele des an-dern richten? in Absicht auf alles, auf die ganzeSumme ihrer Redlichkeit und Wirksamkeit? alsewige innere Zeugen des ganzen Lebenslaufs, derganzen Denkart? — O Mensch! du hast höch-stens nach der Uhr außen auf dem Zifferblakte zusehen: geht sie richtig, zeugt sie treu — Dir ge-nug ! nach welchen Regeln sie gehe, nach welchemModell ihr Kunstwerk eingerichtet sey, das batBesitzer und Künstler zu untersuchen. Gort iftsallein, der den Rath des Herzensof-f e n b a r e t.
Ueberhaupt, M. Z. , ist keine Furie, die demWacbsthum eines Menschen an wabrer V Ukom-menheit und Tätigkeit schädlicher werden konnte,als die Grübelei; das Hirngespinst um ützerSpekulationen und Befcbdungen über die Tugend.Wenn ein Mensch es einmal so weit gebracht hat,über die heiligsten Pflichten, über die wärmstenThatigkeiten, als über bloße Theorien, mit deMkältesten Blut zu raisonnir n, was laßt sich da jeausraifonniren, und was laßt sich wieder nicht reinweggrübcln! Neun und neunzig Gründe auf eine,neun und neunzig auf die andere Seite, und inder Mitte — bleibt nichts! Die Seele ermattet,wird irre, thut nichts! Ein gesunder Mensch hin-gegen, der keine Erklärung der Tugend suchen, aberselbst — etwas mehr — selbst tugendhaftUnd glücklich werden will; statt alle de§Ueberlegens und Wagens und Hersagens, wird er