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Christliche Reden
Standes? Weißt du durch inneres Gefühl, wieer dahin gerissen ward? Die Summe von Ein-drücken, das Maas von Licht, den Grad von Ue-bcrzeugung, das ganze Gewebe seiner Gesinnun-gen, die ganze Folge seines Lebens— und wiewillst du nun das Resultat von alle diesem, dieSumme seiner Schuidbarkeit oder seines Verdien-stes entscheiden? Wer bist du, daß du Richterseyn willst, da du, wenn du das auch alles wüß-test, nichts als Knecht seyn sollst.
Wir haben unsre Mitmenschen bloß nach denSeiten zu nebinen - in denen sie an uns granzen;da können wir freilich uns Freunde wählen, undvon andern u»S en.fernen: wir können den Nie-
derträchtigen eben so von ganzem Herzen verachten,als wir den Guren und Edlen lieben, und unsnach ihm zu bilden suchen sollen. Das alles aberals Knechte, als Mitmenschen! denen immer ihreigenes Geschäfte die Hauptsache bleibt, und dereinzige Richter über alle ist Gott!
Am allermeisten wünschte ich, daß man ge-hässige Urtheile von der Art wenigstens dadurchmilderte, daß man den Namen Re li gi on ausdem Spiel ließe, und nicht so oft blödsinnigoder boshaft Religion und Tugend miteinander verwechselte. Religion ist dasbeste, das edelste Hülfsmittel zur Tugend, abernoch nicht die Tugend selbst. Sie entbeut der Seeleeine große Summe von Bewegungsgründen, vonerhabenen Vorstellungen der Anstalten Gottes zu