Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 3 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 1
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

und Homilien.

12t

Ächte des Adlers den Gesang der kleinen Nachti-gall und von der girrenden Taube den Nachtlautder Eule fordern wolltest! Alles ist Stimme derNatur, und alle Stimme der Schöpfung in ihrerArt lobet den Schöpfer." Der Engel verschwand,und der Grübler merkt cs sich, daß die Erschei-nung seine Thorheit träfe, die alle Menscben-Ge-sichter und Denkarten und Seelen in Eine ver-schmelzen wollte. Zeder Hau sh altersei, treu in seiner Rechnung! Jeder inseinem Stande handle nach Billigkeit und Güte!Greife an die Kette des Verdiensts, da wo er steht,wahne aber nicht, daß wo er steht, wo er siehalte, sie die Einzige und beste sey. Alle Gliederhangen zusammen! Alle Stimmen, Aemtcr, Stan-de, Tugenden in jedem Anlasse preisen ihren Schö-pfer! Der allein weiß es auch, was jeder nachseinem Orte und Stelle ist und seyn sollte! Erkann den Rath der Herzen offenbaren! undalsdenn wird jedem Lob widerfahren, wassein und keines andern ist sowohl dem Paulusals dem Apollo.

Dies ist die Denkart unsrer Religion, undwenn wir sie annehmen, wie viel mehr Nachsicht,Toleranz und Menschenliebe werden wir alsdennmit der Denkart anderer haben. Bloß der unthä-tige Laßige ist meistens der herbste Richter. Erlegt die Hände in den Schooß, spekuliret, tadeltund lästert ? Wer ist Paulus? Wer ist Apollo?Weißt du die Abgründe und Abwege seines Her-zens ? seines Charakters, seines Lebenslaufes, seines