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Christliche Reden
dem, was ich gesagt habe. Freilich muß sich dieTugend, die nichts als die höchste Summe vonguter Wirksamkeit in jedem Scandc sein, soll, auchüberall nach dielen Standen gleichsam schattirenund färben. Die Erziehung, die Bildung, diejemand von Jugend auf gehabt hat, die Gedanken,mit denen er sich beschäftigt, die Geschäfte, denener sich gewidmet, das alles aiebt jbm freilich inwenigen Jahren der Gewohnheit solche unterschieddene Striche der Denkart, als ein Wachs die Formanniwmt, in die es geprägt wird. Oer eine Standwird also natürlich mehr äußere Bestrebung, derandere mehr stille Wirksamkeit, dieser inehr Harteund Gerechtigkeit, jener wehr Sanftmuth und Re-be, der die Ausbildung dieses, icner jenes Theilsder Seele fordern und zulassen — unter allen Ge-stalten aber doch Eine Tugend, Eine guteWirksamkeit eines jeden »ach bestemWilsen und Gewissen in seinem S t a n-d e, Jener Morgenländer, der eben so schwindelte,und ein reines Ideal von Tugend ohne menschlicheeinzelne Gestalten sich ausschwjndeln wollte — aufeinmal schwebte, nach der Fabel, eine himmlischeErscheinung zu ihm hinan. Em Engel, i» allePracht deS Himmels gekleidet, und um ihn hersammlcte sich das Heer aller Vögel mit ihren Stim-men , von der singenden Nachtigall an bis zumrauhtönenden Adler, vom Todes-Ton der Eule biszur airrenden Taube — ein vermischtes betäuben-des Gewirre von Tönen! — Der Grübler überdie Lugend stutzte: ,,Siehe, sprach der Engel,
alle diese verschiedene Gattungen Gefieder, und höreihre Stimmen! wer bist du nun, daß du von der